Lucie Jacobi

Eine bedeutende Frauenpersönlichkeit

 

Der Soroptimist International Club Gießen lud anlässlich des Weltfrauentags zu einer besonderen Veranstaltung in die Ricarda-Huch-Schule ein. Unter dem Titel „Bedeutende Frauenpersönlichkeiten an der Ricarda-Huch-Schule: Auf den Spuren von Lucie Jacobi“ nahmen rund 70 Gäste an einer eindrucksvollen historischen Führung teil. Ziel der Veranstaltung war es, Frauenbiografien sichtbar zu machen und an das Wirken von Lucie Jacobi zu erinnern – einer außergewöhnlichen Pädagogin, die die Geschichte der Schule nachhaltig geprägt hat. Unsere Clubpräsidentin, Hilde Hammermann, führte gemeinsam mit der Schülerin Karlotta Zimmer durch den Nachmittag. Karlotta Zimmer hatte sich im Rahmen des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten intensiv mit dem Leben von Lucie Jacobi beschäftigt und stellte ihre Forschungsergebnisse vor. Bereits beim Rundgang durch das historische Schulgebäude wurde deutlich, wie eng die Geschichte der Schule mit gesellschaftlichen Veränderungen verbunden ist. Die Architektur des Gebäudes von 1907 erzählt vom Aufbruch junger Frauen in Bildung und Wissenschaft. Besonders eindrucksvoll schilderte Hilde Hammermann die Symbolik des Eingangsportals mit den „fleißigen Bienchen“, dem weisen Frosch sowie Buch, Globus und Zirkel als Zeichen für Bildung und Naturwissenschaften. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand jedoch das Leben von Lucie Jacobi. Die 1886 in Worms geborene Pädagogin setzte sich früh über die gesellschaftlichen Erwartungen ihrer Zeit hinweg. Obwohl Frauen damals vor allem auf ihre Rolle als Ehefrau und Mutter vorbereitet wurden, verfolgte sie konsequent ihren Wunsch, Lehrerin zu werden. Sie holte eigenständig ihr Abitur nach und studierte anschließend in Gießen Geschichte, Germanistik und Französisch. Als jüdische Lehrerin wurde Lucie Jacobi 1933 durch die nationalsozialistische Politik aus dem Schuldienst gedrängt. Nach Jahren der Ausgrenzung und Verfolgung floh sie 1939 nach England. Dort musste sie unter schwierigen Bedingungen leben und arbeiten. Dennoch verlor sie nie ihre Zuversicht. 1947 kehrte Lucie Jacobi nach Deutschland zurück – mit dem festen Willen, am demokratischen Wiederaufbau mitzuwirken. Sie unterrichtete erneut an der Schule und wurde 1948 deren Schulleiterin. Im selben Jahr gab sie der Schule den Namen der Schriftstellerin Ricarda Huch, die sie zeitlebens bewundert hatte. Besonders setzte sie sich für politische Bildung und die Geisteswissenschaften ein. Ihr Mut, ihre Bildungsliebe und ihr Durchhaltevermögen wirken für viele junge Frauen und Mädchen weiterhin inspirierend. Karlotta Zimmer betonte, sie habe versucht, „ein Leben zu rekonstruieren, das die Nationalsozialisten auslöschen wollten“. Mit der Veranstaltung zum Weltfrauentag knüpfte der SI Club Gießen an sein langjähriges Engagement für Frauenrechte, Bildung und gesellschaftliche Teilhabe an. Die große Resonanz zeigte, wie wichtig die Erinnerung an starke Frauenpersönlichkeiten und weibliche Vorbilder auch heute noch ist.

 




YouTubeFacebookLinkedInMastodonInstagramPodcast
Top